Freakshow

Also Samstag abend war bei mir mal wieder Freakshow angesagt. Manchmal hat man tagelang nur normale Gäste und ist nicht zufrieden, weil es keine blogbaren Ereignisse gibt. Und dann gibt es Tage, da kommt alles auf einmal. So wie am Samstag.

Die Highlights:

Ein etwas angetrunkener junger Mann setzt sich an den Tresen und bestellt einen Screwdriver. Da dieser nur aus Wodka und Orangensaft besteht ist es eigentlich ein Longdrink, der im hohen Glas gemischt wird. Wahlweise kann man ihn auch Shaken und dann das Ergebnis durch ein Barsieb auf frische Eiswürfel in ein Longdrinkglas geben. Longdrinks kosten bei uns 4,90€, geshakte Cocktails fangen bei 5,90€ an. Da er mir 15 Euro hinhielt, hat es ihn nicht wirklich gestört, daß ich den kleinen Aufpreis fürs Shaken kassiert habe. Er war sichtlich erstaunt, wie günstig der Screwdriver war. Keine Ahnung, wo der Kerl sonst so verkehrt. Nach den ersten paar Zügen am Strohhalm lag er jedenfalls mit dem Kopf auf dem Tresen…

Ein weitere angetrunkener Kerl kam zu später Stunde in die Bar. Wild gestikulierend mit Handy am Ohr sprach er mit irgendjemanden (vielleicht auch mit seiner Mailbox), die Hauptsache war, daß jeder mitbekommen sollte, was für ein toller Kerl er doch ist.
Er bestellte einen Cuba Libre und fing nach dem ersten Schluck auch gleich an zu motzen. Ob denn da Bacardi drin sei oder welcher Rum es sei. Ich habe ihm dann die Havana-Club-Flasche mit dem dreijährigen Havana Club hingehalten. Doch der war ihm nicht gut genug. Ob ich nicht den fünfjährigen hätte. Klar, hab ich. Und bei der Gelegenheit habe ich ihm dann auch noch die Flasche mit dem „Añejo 7 Años“ vor die Nase gehalten. Oha, das war nun ein Rum, der ihm gefiel. „Mach mir damit einen Cuba Libre und meinem Nachbarn hier auch, ich bin ja schließlich kein Schwabe!“. Klar, was der Gast haben will, soll er auch bekommen. Ich stelle also die beiden Premium Cuba Libre auf den Tresen. Sein Kommentar dazu: „Und nimm dann mal den billigen Scheiß hier weg!“. Dabei zeigte er auf den ersten Cuba Libre, von dem er gerade mal ein bis zwei Schluck genossen hatte. Mir ist das egal, solange er das bezahlt, was er bestellt hat, braucht er auch gar nichts davon zu trinken. Anstandslos legte er dann auch das Geld für die drei Cuba Libre auf den Tisch.

Zwei Stammkunden kamen zeitlich nach den obigen Erlebnissen zu mir in die Bar an den Tresen. Sie waren offensichtlich erleichtert, daß ich doch da war. „Wir waren vorhin schonmal hier, aber da war nur Deine Kollegin da und wir dachten, daß wir bei der keine guten Cocktails bekommen“. Die Kollegin war zum dritten Mal bei mir in der Bar zur Unterstützung, ist aber im Cafe des Chefs die dienstälteste Aushilfe. Mit ihr arbeite ich wirklich gerne, weil sie nicht nur fleißig ist, sondern auch stets den Überblick behält und schnell ist. Außerdem sieht sie noch gut aus. 😉
Die beiden Jungs waren deutlich erstaunt, als die Kollegin dann nach Feierabend hinter die Bar ist, Alkohol und Säfte in den Shaker geschüttet hat und zu Schütteln anfing (Feierabend-Cocktail muß sein, wenn man danach noch auf die Piste will). Ratlos waren sie dann, als sie versuchten, den Cocktail einem auf der Karte zuzuordnen, was ihnen nicht gelang, weil er dort auch nicht aufgelistet war. Tja, Jungs, sie hat’s halt einfach drauf! Und das nächste Mal könnt ihr wirklich unbesorgt bei ihr bestellen…