frech, dreist oder unverschämt?

Ich schüttel immer wieder den Kopf über meine Gäste und deren Einstellung.

Fall 1:
Eine Geburtstagsgeselschaft war bei mir zu Gast. Die Gastgeberin kündigte an, daß sie die erste Runde komplett übernehmen würde, d.h. das erste Getränk wird von ihr bezahlt. Eine nette Geste und bei ca. 15 Personen auch nicht ganz billig, gerade für eine Studentin.
Und wenn es etwas umsonst gibt, greift wohl jeder gerne zu. Die Mädels bestellten fleißig Cocktails, einige wenige haben sich auf das Tagesangebot (preislich reduzierter Cuba Libre) eingelassen.
Bei der zweiten Runde kam dann das, was ich vorhersagen konnte, weil es praktisch immer so ist, wenn der Gastgeber bekannt gibt, daß er die erste Runde zahlt:

ich: Hat noch jemand einen Wunsch?
Antworten der Gäste: Ach nein, im Moment nichts.
Nein danke!
Ein kleines Wasser bitte!
Eine kleine Cola.

Ich jedenfalls wünsche ihr alles Gute und daß ihre Freundinnen mal ein wenig über sich nachdenken. Sie rechnen wahrscheinlich auch aus, wieviel ihr Geschenk gekostet hat und wieviel sie da im Gegenwert nun versaufen müssen. Arme Gesellschaft!

Fall 2:
Ein wirklich unangenehmer Gast (das sage ich nur über sehr sehr wenige, aber er ist so einer, weil er immer wegen jeder Kleinigkeit diskutiert) bestellt das Longdrink-Angebot des Tages: Wodka Red Bull. Ihm hat es scheinbar nicht gereicht, daß es preislich reduziert war, er wollte bei der zweiten Bestellung auch noch mehr Wodka drin haben. Meine Argumentation, daß er es schon billiger bekommt und ich deswegen nicht einsehe, ihm da noch einen Extra-Schuß reinzumachen, ignorierte er mehr oder weniger und war der Meinung, daß ich (oder vielmehr mein Chef) da immer noch genug daran verdienen würde. Klar kann ich mehr Alkohol reintun, aber wenn ich dann daran denke, wie ich dem Chef die Fehlmengen erklären soll, lasse ich das lieber.
Insgesamt nahm er vier Stück davon zu sich (die weiteren Bestellungen lauteten in etwa so: „Mach mal noch ’ne gute Mischung“) und beim Bezahlen gab er exakt 0 Euro und 0 Cent Trinkgeld. Mal bitte im Ernst: Wer ist so bescheuert, daß er extra-starke Mischungen verlangt und dann kein Trinkgeld gibt? Warum sollte ich dem Kerl auch jemals etwas mehr Alkohol in seinen Drink tun als notwendig? Der Anreiz ist jedenfalls gleich null.

Fall 3:
Drei junge Damen waren bei mir eines Abends relativ lange. Als es dann ans Bezahlen ging, wollte eine der Dreien das diskret an der Theke erledigt haben, weil die anderen es nicht mitbekommen sollten, was der Abend nun gekostet hat. Wie sich herausstellte, war es ihr Geburtstag. Als sie nun die Rechnung (46,50€) gesehen hat, mußte sie sich dann von ihren Freundinnen noch Geld leihen. Und weil sie ja nun Geburtstag hätte und sie soooooo viel getrunken hätten, fragte sie ob man da nicht etwas machen kann. Nun gut, sie war schon mehrfach da, die Mädels waren nett und haben nicht nur das Schnäppchen konsumiert. Also versprach ich ihr drei Schnäpschen. Sie freute sich kurz, legte dann (mit dem geliehenen Geld) 50 Euro in Scheinen auf den Tresen und meinte:

Mach 47!
(Wir erinnern uns: der Rechnungsbetrag lautete auf 46,50€)

Ja Hallo? Geht es noch? Da bekommt sie etwas gratis und gibt dann spendablerweise 1,0752688% Trinkgeld (grob gerundet: 1%). Ich würde mich schämen.
Ich mußte dann in den Rauchernebenraum um eine größere Gruppe zu kassieren. In der Zeit kam dann schon der Chef vorbei und hat die drei dann rausgeschmissen, als sie etwas von „Schnaps umsonst“ gefaselt hatten. Schade eigentlich. Ich hätte den Damen gerne die großen Schnapsgläser (4cl) mit ein paar Tropfen Sauren Joster hingestellt und dann flapsig erwähnt: Sorry, aber bei dem Trinkgeld ist nicht mehr drin!

Was nun frech, dreist oder unverschämt ist mag jeder für sich selbst entscheiden (inklusive meines letzten Kommentars;) ).