Schlagwort: Fußball

„Wir haben gewonnen“

Wir haben gewonnen! Gibt’s da jetzt was umsonst?

Deutschland ist weiter! Hast Du nun irgendein Sonderangebot?

Das mußte durfte ich mir gestern mehrfach anhören.

Mal ganz im Ernst: warum sollte ich irgendetwas für Fans ausgeben, deren Anteil am Erfolg der deutschen Fußball-Mannschaft darin bestand, vor dem Fernseher zu sitzen?
In der Bar hängen keine deutschen Flaggen, kein Fernseher ist aufgebaut und es läuft auch kein Radio, das über das Spielgeschehen informiert. Das sollte als Statement für eine fußball-freie Zone eigentlich deutlich sein.

Wenn jemand etwas verdient hätte, ausgegeben zu bekommen, dann wären es die Jungs vom Basketball-Team Urspring, die gestern bei mir zu Gast waren. Immerhin haben sie es geschafft, gegen Alba Berlin den deutschen Meister-Titel in der Nachwuchs Basketball Bundesliga zu holen. Zum zweiten Mal in Folge! Mit eigener Kraft und nicht durch Vor-dem-Fernseher-rumsitzen.

Das Benzin ist noch nicht teuer genug

… zumindest anscheinend (oder doch scheinbar?).

Wenn ich mir anschaue, wie die Menschen nach einem Fußball-Spiel aus den Wohnungen strömen, um in ihren Autos sinnlos Runden durch die Stadt zu drehen, dann ist der Spritpreis noch deutlich zu niedrig.

Das ist mir sowieso letztens schon aufgefallen. Ein Nachbar steigt in seinen dicken Range Rover (die kleinste Motorisierung seiner Classic-Variante hat (laut wikipedia) 3,9l Hubraum) und parkt ca. 5-10 Minuten später seinen Wagen wieder vor der Bar. Er steigt aus und hat zwei Flaschen Bier in der Hand, die er höchstwahrscheinlich an der Tankstelle geholt hat. Streßfreier (ist der Parkplatz gleich noch frei?), einfacher und umweltverträglicher hätte er die zwei Bier auch bei mir holen können.

Die EM floppt – aus Gastonomie-Sicht

Gerade habe ich mich im letzten Beitrag über den Flop des Public Viewings zur Fußball-WM 2006 hier in Ulm ausgelassen. Nun schaue ich kurz im Spiegel Online vorbei und lese, daß es der Schweiz ähnlich ergeht:

Erste Wirte entlassen Personal

Die Umsätze bei der Fußball-EM bleiben weit hinter den Erwartungen zurück. In den Schweizer Fanzonen beginnen jetzt die ersten Wirte, Personal zu entlassen. Mit ein Grund: der Misserfolg der eidgenössischen Nationalmannschaft.
Quelle: Spiegel Online

So ist es eben, wenn man auf einen Hype aufbaut. So war es aber hier auch und es war auch nicht anders zu erwarten, daß es in Österreich und der Schweiz anders sein wird. Deswegen sollten die Verantwortlichen, die solch öffentliche Veranstaltungen organisieren, wissen, daß nur bei Spielen der eigenen Landesmannschaft etwas los ist. Zwischen den Spieltagen und in den Vorrunden-Spielen herrscht tote Hose.

Die Migros Basel bezahlt für ihre EM-Stände rund 40.000 Franken (knapp 25.000 Euro) Miete pro Tag. Doch das Unternehmen holt nur die Hälfte davon an Umsätzen herein, sagte ein Migros-Sprecher. Die Kosten für Waren und Löhne sind dabei noch nicht einmal mitgerechnet.

25k Euro pro Tag, Das ist eine stattliche Miete und macht für die Dauer der EM (7. Juni bis 29. Juni, also 23 Tage) insgesamt 575.000 Euro. Aber Migros wird es verkraften können. Aber die kleineren Wirte und Unternehmen, die sich einen Stand gemietet haben, werden kaum eine Chance haben, mit Plus aus der EM zu kommen. Ortsgebundene Gastronomie, die der Menschenmassen mit zusätzlichem Personal Herr werden wollte, hat es da deutlich leichter. Entlassenes Personal könnte schon unter die Kategorie „Schadensbegrenzung“ fallen.

EM-freie Zone

Ich arbeite in einer EM-freien Zone. Und ich bin froh darüber. Keine grausam klingenden Fan-Gesänge (insbesondere dieses grausame „Schland! Deutschland!“), keine Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Fangruppen und kein Aufschreien bei jeder noch so kleinen Torchance für die favorisierte Mannschaft. Insgesamt ein wirklich angenehmes Arbeiten, genau wie damals bei der letzten WM.
Nur sehr wenige Gäste (kann man an einer Hand abzählen) fragen nach einem Fernseher. Der Großteil ist froh darüber, daß kein Fußball nebenher läuft. Wahrscheinlich genau wegen der oben genannten Gründe.

Überall wird mit „Public Viewing“ und „Fußball live – alle Spiele“ geworben. Selbst die Stadt Ulm bietet dieses Jahr auf dem Münsterplatz kein Public Viewing an, nachdem es bei der WM so gefloppt ist (zu hohe Standmieten für die Freß- und Saufstände; zu hohe Preise für die VIP-Boxen, die zum Teil kurz nach dem Start wieder abgebaut wurden, weil sie keiner mieten wollte; teilweise defekte Video-Wand).
Als alter Anglizismen-Hasser gefällt mir „public viewing“ sowieso nicht. Bestatter Tom klärt nun auf, was Public Viewing wirklich ist. Das gibt der Angelegenheit doch einen ganz anderen Aspekt!

Also: auf zum Public Viewing und danach gemütlich Harold and Maude anschauen.

Personalplanung IV

Aus aktuellem Anlaß muß ich mich mal wieder über mein Personal ärgern.
Gerade am Wochenende und vor Feiertagen ist der Bedarf an Personal höher. Und weil es sich nicht rechnet mit kompletter Besatzung den ganzen Abend im Laden rumzustehen, kommen die Aushilfen nur zu den Stoßzeiten, d.h. meist 22 Uhr bis ca. 1 Uhr. Diese Zeiten sind für die Aushilfen die besten Stunden, weil sie in kürzester Zeit am meisten Geld verdienen (viel los = viel Umsatz = viel Trinkgeld). Ein weiterer Vorteil ist noch, daß um 1 Uhr die Party-Nacht ja noch nicht vorbei ist und sie sich noch amüsieren gehen können. Alles in allem eine Win-Win-Situation.
Es ärgert mich dann wirklich, wenn ich außerplanmäßig Personal brauche (z.B. für heute Abende, weil morgen bekanntlich Fronleichnam ist) und mir dann als Ausreden anhören muß: „das geht nicht, da ist unser Spieleabend“ und „ich muß da Fußball schauen“. Beliebt sind auch Ausreden wie „Ich bin da auf einem Geburtstag eingeladen“, „Da muß ich mit einem Kumpel Badminton spielen“ und „Kann da nicht jemand anderes arbeiten. Ich weiß noch nicht so genau, was ich an dem Tag machen will“.
Nach solchen Sprüchen überlege ich mir immer wieder, wann und warum ich solche Experten wieder in den trinkgeldfreundlichen Schichten einsetzen soll.

Fußball-Ansichten

Ich bin nicht wirklich Fußball-Fan, und es gibt nur zwei Sachen, die mich an einem Spieltag interessieren:

  • Der 1. FC Bayern München hat zu verlieren (diese erfolgsverwöhnte Truppe braucht keine Siege mehr und hat zu verlieren. Basta!).
  • Es wäre gut, wenn der Club (1. FC Nürnberg) nicht verliert .

Somit bezeichne ich mich nicht als Fußball-Fan, sondern als Club-Sympathisant.
Mein Glückwunsch geht an die Jungs aus Nürnberg! Den Pokalsieg habt ihr euch echt verdient!

Dazu gibt es auch eine nette Geschichte zweier Stammgäste von mir:
Die beiden waren schon am letzten Spieltag in Stuttgart vor Ort (Schloßplatz) und sind nun gestern extra zum Public Viewing fürs Pokalfinale auf den Cannstater Wasen gefahren.. Am Tag zuvor entwickelte sich folgender Dialog:

Vfb-Fan 1 (zu VfB-Fan 2): Morgen bezahlst aber Du die Schals!
(die beiden Meister-Schals hatte nämlich er bezahlt)
ich: Warum braucht ihr schon wieder Schals? Ihr habt doch erst letztens welche gekauft!
VfB-Fan 2: Ja, aber wir brauchen ja noch den Pokalsieger-Schal!
ich: Was willst Du denn mit einem Schal vom Club?

Es war sehr schön zu sehen, wie ihm die Gesichtszüge entgleist sind und er einfach nur sprachlos war. 😉 Und das ist sehr ungewöhlich für diesen Kerl.

Info für Nicht-Fußball-Fans:
Der VfB Stuttgart ist letzte Woche Deutscher Meister geworden und hat gestern gegen den 1. FC Nürnberg (oft einfach nur „Der Club“ genannt) im DFB-Pokalfinale verloren.