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Apfelsaft-Paragraph – Ausschank alkoholfreier Getränke

Ich bin auf eine Sendung von „Einspruch! Die Show der Rechtsirrtümer“ aufmerksam gemacht worden. Dort fragte ein Zuschauer, ob ein alkoholfreies Getränk günstiger angeboten werden muß als ein alkoholhaltiges Getränk.

Deren Experte Professor Dr. Ralf Höcker bejahte die Frage und stellte nochmal klar, daß auf der Karte ein alkoholfreies Getränk billiger angeboten werden muß als ein alkoholhaltiges Getränk, das aber nicht Kaffe, Tee oder Buttermilch sein muß.

Leider irrt der „Experte“ hier, seine Antwort ist falsch! Was soll man auch von einer Show auf RTL halten, die dem Volk Recht beibringen will?

Was ist denn nun richtig?
Der Ausschank alkoholfreier Getränke ist in §6 des Gaststättengesetzes geregelt. Dort steht:

Ist der Ausschank alkoholischer Getränke gestattet, so sind auf Verlangen auch alkoholfreie Getränke zum Verzehr an Ort und Stelle zu verabreichen. Davon ist mindestens ein alkoholfreies Getränk nicht teurer zu verabreichen als das billigste alkoholische Getränk. Der Preisvergleich erfolgt hierbei auch auf der Grundlage des hochgerechneten Preises für einen Liter der betreffenden Getränke. Die Erlaubnisbehörde kann für den Ausschank aus Automaten Ausnahmen zulassen.
§6 Gaststättengesetz

Also muß man alle Getränke auf den Literpreis umrechnen und kann erst dann vergleichen, ob die Karte das Gaststättengesetz erfüllt. Ein kleiner, aber feiner Unterschied.
Mehr Infos zu diesem sogenannten „Apfelsaft-Paragraphen“ und wie man ihn auslegen kann: Abseits.de – Preisauszeichnung in der Gastronomie
Und das Video zur Frage: rtl-now.de – Einspruch! Die Show der Rechtsirrtümer – Folge 4 (ab Minute 14:30)

Falls ihr also mal in einem Restaurant, Bar oder bei einem langweilige Date kein Gesprächsthema mehr habt, nehmt euch die Karte und fangt an zu rechnen! 😉

das Mindesthaltbarkeitsdatum auf Bier

Bierfaß - AbfülldatumBierflaschen haben ein Mindesthaltbarkeitsdatum aufgedruckt und auch die 5l-Partyfässer tragen ein Mindesthaltbarkeitsdatum.
Nun ist mir aufgefallen, daß unsere Bierfässer (30 und 50l) kein Mindesthaltbarkeitsdatum tragen. Auf ihnen ist lediglich vermerkt, wann das Faß abgefüllt wurde. Aus Interesse fragte ich bei verschiedenen Bekannten, die teilweise schon viel länger als ich in der Gastronomie tätig sind, nach, warum nun auf diesen Fässern kein MHD angegeben werden muß, denn wenn die Brauereien es müßten, würden sie es auch aufdrucken. Keiner konnte mir helfen.

Aber zum Glück gibt es das Internet und so kam ich auf die „Verordnung über die Kennzeichnung von Lebensmitteln“ (kürzer: Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung (noch kürzer: LMKV)). Und teilweise ist sie sehr erhellend:

§ 7 Mindesthaltbarkeitsdatum
(1) Das Mindesthaltbarkeitsdatum eines Lebensmittels ist das Datum, bis zu dem dieses Lebensmittel unter angemessenen Aufbewahrungsbedingungen seine spezifischen Eigenschaften behält.
LMKV – §7

Damit ist auch klar, daß ein Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums keinesfalls gleich weggeworfen werden muß. Es wird lediglich zugesichert, daß es bis zu diesem Datum seine spezifischen Eigenschaften hat. Möglicherweise schmeckt es danach ein wenig anders. Muß es aber nicht!
Absatz 6 trifft nun auf meine MHD-Faßbier-Problematik zu:

(6) Die Angabe des Mindesthaltbarkeitsdatums ist nicht erforderlich bei
[…]
3. alkoholfreien Erfrischungsgetränken, Fruchtsäften, Fruchtnektaren und alkoholhaltigen Getränken in Behältnissen von mehr als fünf Litern, die zur Abgabe an Verbraucher im Sinne des § 1 Abs. 1 Satz 2 bestimmt sind,
[…]
Hervorhebung von mir

§ 1 Abs. 1 Satz 2 lautet:

Dem Verbraucher stehen Gaststätten, Einrichtungen zur Gemeinschaftsverpflegung sowie Gewerbetreibende, soweit sie Lebensmittel zum Verbrauch innerhalb ihrer Betriebsstätte beziehen, gleich.

Warum gesteht man den Gaststätten so eine Ausnahme zu? Ich weiß es nicht.
Aber ich vermute, daß es damit zusammenhängt, daß Faßbier über eine Schankanlage (Bierlotse.de – Schanktechnik) ausgeschenkt wird, die es ermöglicht, auch über einen längeren Zeitraum (länger als diese 5l-Party-Fäßchen) das Bier mit gleicher Qualität zum Gast gelangen zu lassen. Und weil Faßbier nunmal teurer ist als Flaschenbier wird über die Schankanlage nur Biere verkauft werden, das sich auch „schnell dreht“, d.h. möglist schnell verkauft wird und so ohnehin nie das MHD erreichen wird.
Weiß jemand vielleicht noch mehr dazu?

Trinkgeld-Steuer

Ich bin erst wenige Jahre in der Gastronomie. Für mich galt bisher immer: das Trinkgeld ist steuerfrei. Auch die zentrale Wissensanlaufstelle Wikipedia schreibt:

Trinkgelder, die anlässlich einer Arbeitsleistung dem Arbeitnehmer von Dritten freiwillig und ohne dass ein Rechtsanspruch auf sie besteht, zusätzlich zu dem Betrag gegeben werden, der für diese Arbeitsleistung zu zahlen ist, sind in Deutschland gemäß § 3 Nr. 51 Einkommenssteuergesetz steuerfrei.
Wikipedia – Trinkgeld

Gestern erfuhr ich von einem deutlich erfahreneren Gastronomie-Beschäftigten, daß es vor Jahren noch eine Steuer auf Trinkgelder gab. Ich wollte das nicht so recht glauben. Warum sollte jemand in seiner Steuererklärung sein Trinkgeld angeben? Es ist für das Finanzamt doch schlicht unmöglich, das Trinkgeld zu kontrollieren. Konnte man es dann auch steuermindernd gelten machend, wenn man mal falsch rausgegeben hat und am Ende weniger im Geldbeutel hat, als laut Abrechnung drin sein müsste?
Da mußte ich also nachforschen. Und siehe da: es gab wirklich mal eine Trinkgeld-Steuer!

Gemeinsam mit der SPD haben wir im Juli 2002 die Trinkgeldsteuer abgeschafft, die es in Deutschland seit 1923 gab.
Christa Sager – Bündnis 90/Die Grünen

Leider habe ich keine Statistiken gefunden, wie hoch die Gesamtsteuereinnahmen durch die Trinkgeld-Steuer war. Aber wahrscheinlich sehr gering, denn nach DIW Berlin, TNS Infratest Sozialforschung, bekamen lediglich 2% von 12563 Befragten im letzten Monat Trinkgeld (Umfrage aus 2006: Statista).

75 Jahre Repeal Day

Und schon wieder gibt es etwas zu feiern!

75 Jahre ist es nun her, daß in den USA die Alkohol-Prohibition aufgehoben wurde. Wenn wir schon die Halloween-Bräuche von den Amis übernehmen… warum nicht auch den Repeal Day? (repeal: Außerkraftsetzung, Aufhebung)

Der Repeal Day ist eine Erfindung Jeffrey Morgenthalers, der 2006 der Meinung war:

Repeal Day should be a major drinking holiday in the United States
Repeal Day is December 5th

Mehr Informationen gibt es auf Jeffreys offizieller Repeal Day Homepage.

Ich finde, daß wir diesen Tag auch in Deutschland feiern sollten. Wer weiß schon, wie lange es noch vom Rauchverbot zum Alkoholverbot ist. Vorsorglich feiern kann nicht schaden!

In diesem Sinne:
Prost!

via:
Mixology – Der „Repeal Day“ jährt sich morgen zum 75. Mal

Halloween 2008

Am Freitag ist es wieder soweit: das alljährliche Allerheiligen steht kurz bevor. Neudeutsch wird dieser Abend vor dem Feiertag auch Halloween genannt.
Das ist einer der wenigen Tage, an denen Tanzverbot herrscht. Nach dem Feiertagsgesetz §10 sind wir in Baden-Württemberg zum Glück nicht so hart betroffen wie dieses Jahr die Bayern.
Während hier in Villariba auf der Ulmer Seite der Donau bis 3 Uhr getanzt wird, müssen in Villabacho auf der bayerischen Seite in Neu-Ulm schon ab 0 Uhr sämtliche Tanzbewegungen eingestellt werden. Da werden die Clubs und Discotheken in Ulm aber mächtig voll werden. Auch bei mir wird mit Sicherheit überdurchschnittlich viel los sein. Wer geht schon in einen Club, wenn dort um Mitternacht Schluß mit lustig ist?

Wann wird endlich dieses sinnlose Tanzverbot abgeschafft?

Mehr Erklärungen unter: Abseits.de – Halloween

Zeitumstellung 2008

Heute ist es mal wieder so weit. Die alljährliche Zeitumstellung auf Winterzeit: um 3 Uhr werden die Uhren auf 2 Uhr zurückgestellt.
An einem normalen Wochenende habe ich eben um 3 Uhr Feierabend. Heute heißt das, daß ich eine Stunde länger arbeiten muß darf. Egal. Gibt es eben um 3 Uhr alte Zeit das erste Feierabendbier und um 3 Uhr neue Zeit das nächste. 😉
Aus Erfahrung weiß ich aber, daß die meisten Menschen immer noch nach dem alten Rhythmus leben und in der verlängerten Stunde deutlich weniger bis gar nichts mehr los ist. Aus der einen zusätzlichen Stunde wird also maximal eine halbe Stunde.
Im Endeffekt habe ich dann eine halbe Stunde zusätzlich zum Feiern!

In diesem Sinne: Prost!