Ab ins kalte Wasser…

Gestern hatte ich mal wieder neues Personal zum Probearbeiten. Meine Kollegin und ich hatten uns diesmal bewußt gegen jemanden mit Gastronomieerfahrung entschieden. Erfahrung ist eben nicht alles. Der Testkandidat wirkte beim Vorstellen letzte Woche schon deutlich lässiger und freundlicher als die beiden anderen, die schon über Thekenerfahrung in Discos und bei Uniparties verfügten. Und um ihn mal gleich richtig zu testen, hatte ich ihn mir gestern als Helfer für die Happy Hour bestellt. Für jemanden mit 0 Gastronomieerfahrung (na gut, seine Ex-Freundin hat mal in einer Discothek geschafft) ist das eine wirkliche Herausforderung.
Nach einer kurzen Einweisung, was er alles zu tun hat, ging es auch schon los. Für eine Einweisung auf der Kaffeemaschine hat es nicht mehr gereicht, war aber auch nicht nötig. Anfangs mußte ich ihm noch Hinweise geben, falls neue Gäste da waren, sich welche von einem Stehplatz an einen Tisch gesetzt haben, meine Shaker gespült werden mußten oder wo welche Gläser sind. Wenn etwas unklar war, hat er gefragt und wollte eigentlich auch immer mehr machen als nur Spülen und Service. Wenn Zeit war, habe ich ihm erklärt, nach welchen Regeln ich „wahllos“ Alkoholika, Sirups und Säfte in den Shaker schütte. Für seine ersten Einsatz hat er deutlich mehr Engagement gezeigt als viele andere („Ich muß nicht probearbeiten, ich habe schon da und da gearbeitet und bin streßerprobt und überhaupt bin ich der/die Beste!“). Gegen Ende lief es dann richtig gut.

Positiv:

  • denkt mit (hat nicht nur Gläser abgeräumt, sondern auch wieder frische Aschenbecher aufgestellt, ohne daß ich ihm das gesagt habe; beim Gläsertrocknen hat er nicht die gleichen Gläser wie meinereiner getrocknet, sondern andere, die in einen anderne Thekenbereich gehören und wir uns somit nicht im Weg rumlaufen)
  • lernwillig
  • bleibt auch im Streß ruhig
  • lockeres Erscheinungsbild, freundlich, lächelt eigentlich fast immer
  • hat noch nichtmal bis zum Ende nachgefragt, was er denn nun eigentlich verdienen würde, wenn er den Job bekommt

Negativ:

  • Wollte sich in der Happy Hour eine Zigarette anzünden, hat aber nach meinem Rüffel sofort eingesehen, daß er eh nicht zum Rauchen kommt 😉
  • keine Gastronomieerfahrung (dieser Kritikpunkt muß sein, weil es ein bischen einseitig ist, wenn es nur einen negativen Punkt gibt)

Fazit:
Den ersten Eindruck, den wir beim Vorstellen von ihm hatten, hat sich komplett bewahrheitet. So ein kollegialer Mensch wird gut ins Team passen. Mal sehen, wie sich im Vergleich die nächsten Opfer Bewerber schlagen.