Es gibt zwei Arten von Menschen im Restaurant:
Die einen merken sich jeden Namen.
Die anderen merken sich jedes Gesicht – und ruinieren dann alles mit einem kreativen Namensvorschlag.
Ich gehöre zur zweiten Kategorie.
Wir haben da diesen Gast. Gepflegt, freundlich, kommt regelmäßig mit Geschäftspartnern. So ein Typ, bei dem man denkt: Den kenn ich doch! Natürlich kenn ich den!
Sein Name?
Nun ja. Theoretisch weiß ich ihn.
Praktisch offenbar nicht.
Der große Auftritt
Heute also wieder. Tür geht auf. Ich sehe ihn – innerlich schon im „Stammgast-Modus“.
Er lächelt.
„Reservierung auf Schreiber.“
Schreiber.
In meinem Kopf blinkte sofort ein rotes Warnlicht.
Falsch.
Der heißt nicht Schreiber. Ganz sicher nicht. Ich kenne den. Der war schon öfter hier. Mit Gästen. Mit Hunger. Mit Gesicht. Aber nicht mit diesem Namen.
Während ich ihn zum Tisch bringe, rattert mein Gehirn wie ein alter Nadeldrucker.
Schröder?
Schneider?
Schäfer?
Die folgenschwere Eingebung
Ich schleiche zur Kollegin.
„Du… ich kenn den. Aber ich komm nicht auf den Namen. Heißt der nicht Schäfer?“
Sie schaut mich an. Kurz. Präzise. Ohne Mitgefühl.
„Nein. Der heißt Jäger.“
JÄGER.
Natürlich.
Jäger.
Und hier kommt der Moment, in dem man einfach hätte nicken können. Würdevoll. Still. Professionell.
Aber nein.
Stattdessen höre ich mich sagen:
„Ahhh, war mir klar, dass es irgendwas mit Tieren war.“
Die Moral von der Geschicht
Gesichter erkenne ich auf 50 Meter.
Lieblingswein? Kein Problem.
Sonderwünsche? Auswendig.
Aber Nachnamen?
Sie verschwinden irgendwo zwischen Tageskarte und EC-Gerät.
Ab sofort gilt: Ich rate keine Namen mehr.
Alle heißen bei mir nur noch „Guten Abend“, „Sehr gern“ oder „Darf es noch etwas sein?“.
Und falls doch mal wieder ein Jäger vor mir steht, der auf Schreiber reserviert hat, halte ich mich einfach zurück.